Chinesische Medizin

Die Geschichte der Chinesischen Medizin & Traditionellen Chinesischen Medizin

Die Wurzeln der Traditionellen Chinesischen Medizin reichen mehr als zwei Jahrtausende zurück bis zu den ersten chinesischen Dynastien. Sie gründet sich auf den Taoismus, eine Philosophie, der es um die Harmonie zwischen Mensch und Kosmos geht. Das älteste TCM-Lehrbuch, das „Huang Di Nei Jing" (der Klassiker der inneren Medizin des Gelben Kaisers) ist ca. 300 Jahre vor unserer Zeitrechnung geschrieben worden und gilt im Osten wie im Westen heute noch als wichtige Grundlage einer fundierten Ausbildung in chinesischer Medizin.

In der Zhou-Zeit (1066 – 256 v.u.Z) kam es zu einer bedeutenden Entwicklung der Heilkunst mit präzisen Vorstellungen vom menschlichen Körper und seinen Krankheiten. Man bemühte sich in jener Zeit in China um Denkmodelle, die auf alle Bereiche – auch auf die Medizin – übertragbar waren. Kosmologische Konzepte begannen sich herauszubilden und die Idee einer universellen Ordnung, gegründet auf dem Rhythmus der Jahreszeiten, dem Jahreskalender und der Astronomie, gewannen an Bedeutung.
Diese Konzepte wurden nach einem numerologischen System unterteilt, wobei die Klassifikationen nach zwei (Yin und Yang), drei (Himmel, Erde, Mensch), fünf (die Fünf Wandlungsphasen), und neun (die neun Weltgegenden und Himmelsregionen) erfolgten. So etablierten sich allmählich die grundlegenden Vorstellungen vom Qi, vom Wechsel von Yin und Yang und von den Entsprechungen der Fünf Wandlungsphasen zu Jahreszeiten, Farben und Körperteilen.

Das ganzheitliche Verständnis vom Menschen geht davon aus, dass der Organismus ebenso wie der Mensch und die umgebende Natur eine Einheit bilden, die für das Verständnis von Krankheitsentstehung und Behandlung berücksichtigt werden muss. Veränderungen im Innern des Organismus können von außen über den Energiefluss (Qi) in den Meridianen erkannt und beeinflusst werden.

Eine Schlüsselrolle im medizinischen Diskurs der chinesischen Tradition spielt der Begriff „Qi“. Der Organismus erscheint als außerordentlich komplexes Gefüge dynamischer Qi-Strukturen. Es ist eine auf das Gleichgewicht aufgebaute Dynamik. Ist das Gleichgewicht empfindlich gestört, braucht es den Arzt, der mit seinem erfahrenen Blick und im Gespräch mit dem Patienten die Ursache der Störungen zu ermitteln sucht. Es ist dann etwa von „Leber-Qi“ die Rede, von „Herz-Qi“, von „aufsteigendem Qi“, von „Qi-Schwäche“ usw.



Das Qi in der Spannung von Yin und Yang

Das Gleichgewicht der Qi-Dynamik besteht in einem Ausgleich von Gegensätzen, die nach Mustern gebildet werden wie: beschienen und schattig, männlich und weiblich, oben und unten, außen und innen, tätig und leidend... Der Form ihrer Gegensätzlichkeit nach werden sie unter das Begriffspaar Yin und Yang gebracht. Das eine hat nicht – wie etwa im Gegensatz von gut und böse – den Sieg über das andere davonzutragen, sondern findet seine Bestimmung nur in der Anerkennung und Förderung des andern. Der Gedanke, dass allem Geschehen in der Natur und in der Gesellschaft eine Spannung nach Yin und Yang innewohnt, ist nicht nur in der chinesischen Medizin zu finden. Er ist im „Yijing“ zu finden, einem der „Klassiker“, die lange vor dem Erscheinen von Konfuzianismus und Daoismus niedergeschrieben wurden, und ist tief in der mentalen Verfassung und körperlichen Empfindsamkeit der Chinesen verankert.



Das Qi in den fünf Wandlungsphasen

An zweiter Stelle ist die Qi-Dynamik in einen Kreislauf eingebunden, der nach dem Muster der fünf Jahreszeiten verläuft. Jeder Kreis (Funktionskreis oder Orbis) geht aus einem vorherigen hervor und in den nächsten über. Es entstehen auch Gegensätze und Paare etwa nach dem Muster des Verhältnisses zwischen Großmutter und Enkel. Den Jahreszeiten sind fünf Elemente zugeordnet: Holz, Feuer, Erde, Metall und Wasser. Der menschliche Organismus wird schließlich als ein Zusammenwirken von fünf „Organen“ begriffen, von denen jedes seinen besonderen Bezug zu einem der fünf Elemente und einer der fünf Jahrszeiten hat. Es sind die Leber, das Herz, die Milz, die Lunge und die Niere. Jeder dieser Begriffe deckt sich nur teilweise mit dem uns vertrauten Begriff. Im „Herz“ zum Beispiel ist neben dem Organ als Pumpe das Vermögen zur treffenden Form eingeschlossen. Physisches und Psychisches spielt immer und oft ununterscheidbar ineinander über. Neben allen sich daraus ergebenden Unterschieden dürfte der wichtigste der folgende sein: Die fünf Organe sind ein sich selbst erfüllendes Ganzes, ein Mikrokosmos als Abbild eines Makrokosmos, der mit seinen Jahreszeiten und Elementen mit dem individuellen Organismus sein Spiel treibt. Die Organe verhalten sich zum Organismus wie die fünf Jahreszeiten zum Zyklus des Entstehens und Vergehens und die fünf Elemente zum Ganzen des materiellen Seins.

 

Qi als „Energie“

Qi wird oft als „Kraft“ oder „Energie“ übersetzt. Qi wird auch im medizinischen Kontext benutzt. Mit „Wei-Qi“ wird die Fähigkeit bezeichnet, schädlichen Witterungseinflüssen standzuhalten und Verletzungen und Infekte zu bewältigen. Es soll im wachen Organismus anders anwesend sein als im schlafenden und sich beim Einschlafen von der Oberfläche des Körpers ins Körperinnere zurückziehen. „Qi Gong“ bezeichnet dagegen „Arbeiten am Qi“.

Häufige Verwendung findet das Konzept im Zusammenhang mit den „Meridianen“, welche die Verbindungslinien zwischen den 365 Akupunkturpunkten darstellen sollen. Durch das Reizen der Punkte mittels Nadeln wird das „De-Qi“(-Gefühl) hervorgerufen - „Ankunft des Qi“. Für den Therapeuten ist es durch eine Zunahme des Gewebswiderstandes spürbar, für den sensiblen Patienten durch eine ausstrahlende Empfindung entlang des betroffenen Meridians.

 

Was ist Traditionelle Chinesische Medizin?

Die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) ist eine Heilkunst, die vor über 2000 Jahren in China entstand und sich über die Jahrhunderte hinweg weiterentwickelte. Sie umfasst verschiedene therapeutische Verfahren, die auch als "Säulen" der Traditionellen Chinesischen Medizin bezeichnet werden.

 

Akupunktur und Moxibustion

Durch die Nadelung (bzw. Erwärmung) bestimmter Punkte auf der Körperoberfläche wird der Fluss der Lebensenergie reguliert. Diese Energie bezeichnen die Chinesen  als ,,Qi" (gesprochen: Tschi). Qi fließt in einem energetischen Netzwerk von Kanälen durch den Körper. Es verbindet nicht nur die Akupunkturpunkte, sondern beeinflusst auch die Verläufe der Organe untereinander. Durch das Nadeln spezifischer Akupunkturpunkte wird der Organismus gezielt stimuliert, sich selbst wieder ins Gleichgewicht zu bringen.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat eine Liste von Erkrankungen veröffentlicht, die erfolgreich mit der Akupunktur behandelt werden können.

 

Arzneimitteltherapie

Die chinesische Arzneimitteltherapie verwendet vorwiegend Pflanzenteile, daneben auch Mineralien und einige Tierprodukte. Sie alle haben in über zweitausendjähriger Anwendung ihre heilende Wirkung erwiesen. Ein Grundsatz der Chinesischen Medizin ist die Erkenntnis, dass das Ganze mehr ist als die Summe seiner Teile. Deshalb werden einzelne Kräuter und Substanzen in der Regel miteinander kombiniert. Damit können sowohl akute als auch chronische Krankheiten behandelt werden.

 

Tuina Anmo (Massage)

Die Akupunktur setzt die Reize durch Nadeln, die Tuina-Massage durch unterschiedliche manuelle Techniken. Tuina ist eine der ältesten manuellen Therapien. Die Behandlung erfolgt auf dem Hintergrund der Leitbahntheorie und bezieht die Akupunkturpunkte mit ein. Dadurch wird der gesamte Organismus beeinflusst, um das gestörte Gleichgewicht zwischen Yin und Yang wiederherzustellen und Schmerzzustände zu lindern.

 

Diätetik bzw. Ernährungslehre

"Erst wenn die Ernährungstherapie keine Heilung bringt, sind Arzneimittel einzusetzen", heißt es bei einem berühmten chinesischen Arzt. Und: "Ein guter Behandler muss kochen können!" Seit alters her haben die Chinesen die Nahrungsmittel nach ihrer energetischen Heilwirkung auf den Menschen untersucht. So ist es heute möglich, die verschiedensten Erkrankungen auch - und manche vor allem - mit bestimmten Nahrungsmitteln und Speisen zu behandeln und zu heilen.

 

Qi Gong und Tai Ji Quan

Ursprünglich stammen die fließend anmutenden Übungen aus meditativen Praktiken und sind damit seit vielen Jahrhunderten erprobt. Im modernen China sind diese Übungen zu einem Bestandteil der traditionellen chinesischen Medizin geworden. Es handelt sich dabei um Bewegungsabläufe und Atemkoordinationsübungen, mit denen Krankheiten unterstützend therapiert werden. Qi Gong und Tai Ji reinigen und stärken unsere Kräfte. Darüber hinaus vermitteln sie Entspannung und innere Ruhe. Besonders Qi Gong kann auch im Westen von jedermann bis ins hohe Alter erlernt und praktiziert werden.